Es hoppelt.

Wochenende: Schlafen wie ein Hundewelpe.

Montag: Tagsüber Fortbildung zum Thema „Stressmanagement“. Abends im Bett Ruhepuls von 140 und zwei Stunden nicht einschlafen können.

Dienstag: Tagsüber Fortbildung zum Thema „Stressmanagement“. Abends im Bett Ruhepuls von 140 und eine Stunde nicht einschlafen können.

Finde den Fehler.

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Viel viel.

So. „Meine“ Woche in der Notunterkunft ist zu Ende. Und das, was als „wir machen das mal eben schnell“ anfing, endet damit, dass mein Gehirn noch einige Zeit brauchen wird, sich zu aklimatisieren.

Erstens: Stress, Stress, Stress. Du versuchst, Problem A zu lösen, und währenddessen tragen fünf verschiedene Personen Probleme B, C und D an dich heran in vier verschiedenen Sprachen, von denen du nur zwei beherrschst, und gleichzeitig läuft der 40-Liter-Wasserkocher aus, neben dem du gerade stehst. Das fasst es ganz gut zusammen.

Zweitens: Die Menschen gehen. Sie ruhen sich eine Nacht aus, essen etwas, waschen eine Ladung Wäsche, und gehen, mit dünnen Jäckchen oder in Pullis, auch die Kinder, ohne Socken zwischen Schuhen und Füßen. (Doch, es GIBT eine gut bestückte Kleiderkammer.) Und es gehen nicht ein paar, sondern weit mehr als die Hälfte. Einige werden vielleicht von Verwandten abgeholt, viele wollen (zu Fuß) nach Schweden. Ob sie wissen, dass auch Schweden mittlerweile nicht mehr weiß, wohin mit den Menschen, weiß ich nicht.

Drittens: Überforderung. Wenn jemand dreimal zusammenklappt, du dreimal den Rettungswagen rufst, er dreimal ins Krankenhaus kommt und kurz darauf wieder zurück, und du genau weißt, dass du die Nummer von der Leitstelle schonmal auf die Kurzwahl legen kannst. Wenn dieser jemand dann morgens immer eine Tablette nehmen muss, und man erklärt es ihm und denkt, er habe verstanden, hat er aber nicht, oder vielleicht hat er es kurz verstanden und dann wieder vergessen, und dann muss man dafür sorgen, dass er morgens unter ärztlicher Aufsicht seine Tablette nimmt (inkl. den jemand suchen und mit ihm vor der Krankenstation warten, bis der Arzt Zeit hat). Ärztliche Überwachung, obwohl man kein Arzt ist.

Viertens: Die Menschen sollten sehr viel freundlicher miteinander umgehen. (Und damit meine ich jetzt nicht die Camp-Bewohner.) Und nein, das ist falsch formuliert… So: Es ist bemerkenswert, wie schnell gute Stimmung und gute Kooperation und gute Zusammenarbeit durch einzelne, in diesem Fall halbwegs außenstehende Personen, beeinflusst werden kann, und wie schnell man aus zufriedenen Mitarbeitern unzufriedene machen kann.

Fünftens: Wenn Kinder in der Kleiderkammer versorgt werden, schnell weggucken. Die freuen sich nämlich wie ein Schnitzel, und das macht traurig.

Sechstens: Ungewissheit. Keinerlei Zeitrahmen für die Registrierung. Keine Ahnung, wie und wann es weitergeht. Keine Informationen geben können. Nervt. Wie. Sau.

Siebtens: „Ups. Mh ja. Blöd.“-Momente. Wenn man am x-ten Tag zufällig vom Arzt erfährt, dass eine TBC-Impfung ne coole Sache wäre. Und man seinen Impfpass nicht findet, um nachzugucken. (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ich dagegen geimpft bin.)

Heute gab es zum Abschluss dann immerhin noch zwei … Momente. Der Security-Chef zeigte mir ein Video auf seinem Handy, in dem er mal seinen Taser an sich selbst getestet hat (Gnihihi. Gnihihihihihi. Kchchchchchch.). (Oh, und ich habe einen Taser in action gesehen – also nicht an einem Menschen, sondern halt einfach nur „an“ -, ist ja unglaublich, wie LAUT die Dinger sind.) Und dann hatte einer seiner Mitarbeiter seinen Pitbull dabei, und wir haben uns gegenseitig totgeschmust (also, der Hund und ich, nicht der Mitarbeiter und ich), und man müsste viel öfter zur Entspannung mit Hunden schmusen.