Nachholbedarf

Im letzten April sind wundersame Dinge passiert, die zwar recht bald ganz und gar nicht mehr wundersam waren, aber egal, Potential war definitiv vorhanden. :-D Partiell abergläubisch wie ich bin, müsste ich eigentlich eine Wiederholung anstreben; ich bin aber am entscheidenden Tag nicht da. Verschieben wir das Wunder also auf den Mai, nichts leichter als das – ein angeklebter Schnurrbart zur Tarnung sollte genügen. :-)

Zwei wunderschöne Dinge…

…inmitten dieses großen Haufens Shitkram, der hier so rumliegt und anfängt zu schimmeln und an mir zu kratzen.

Erstens: Billy Nobbler. („Dich braucht doch niemand.“ „Das stimmt. Mich braucht man nicht.“) Schockverliebt und zu Tränen gerührt. Der erste Teil hier; den Rest (des ersten Teils) findet man, wenn man das möchte – wobei Billy erst in Part 2 von Teil 1 in alle Herzen, die nicht komplett kalt sind, hineinpaddelt.

Zweitens: Lars. (Auch hier findet man mit wenig Mühe die anderen drölfhundert Teile.) Ich habs mittlerweile durchgespielt und verlange unverzüglich einen zweiten Teil. Dass die Entwicklungszeit rund ein Jahrzehnt betrug und Ueda offenbar grundsätzlich keine zweiten Teile macht, interessiert mich gar nicht.

Gehirne haben einen merkwürdigen Humor.

Eltern rollen ihr Kind mit Wonne,

quer über’n Platz in einer Tonne.

Dahinter treiben’s die Kinder bunt,

bemalen mit Fingern Nase und Mund.

Dieses kleine Gedicht habe ich in meiner Grundschulzeit gelernt und kann es seitdem auswendig. Du kannst mich nachts wecken und ich trage es vor. Ratet, wann ich es NICHT konnte? Richtig. Als ich auf der kleinen Bühne beim Grundschulfest stand und es in ein Mikrofon sagen sollte, und daraufhin mit hochrotem Kopf meinen Spickzettel aus der Tasche meiner verwaschenen lila Cordhose kramte.

Fiel mir nur so gerade ein.

Der Tag kann weg.

Erst – mal wieder – beschissen geträumt (schweren Autounfall gehabt, niemanden hats gekümmert), und dann mit einem nur halb funktionstüchtigen Eiskratzer am Auto rumgewerkelt. In dünnem Kunstlederjäckchen, weil ich meine Winterjacke woanders vergessen habe.

Das Wochenende war auch mehr halb als ganz (gefühlsmäßig und gefühlt) und jetzt kann es eigentlich nur noch besser werden.

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Auf einer Skala von 1 bis 10.

Warum arbeite ich eigentlich Vollzeit, mache irrsinnige Fortbildungen und studiere in meiner Freizeit? (Und warum fange ich trotzdem mutwillig immer wieder mit Netflix-Serien an?) Und warum machen andere das nicht? Bin ich klüger oder dümmer oder verrückter oder normaler? 

Ich glaube, ich sage einfach überdurchschnittlich oft „Alla! Packe mers an!“ statt „Da muss ich jetzt noch mal ein dreiviertel Jahr drüber nachdenken.“ Ich sollte öfter ein dreiviertel Jahr über Dinge nachdenken.

Kindergarten

Ich habe heute eine Kollegin zum Weinen gebracht. Indirekt. Hört sich böse an, ist aber… siehe Titel.

Die Situation: Bis vor kurzem hatte jeder mehr oder weniger seinen eigenen Schreibtisch. Aufgrund von Sanierungsmaßnahmen und diversen Umzügen mussten wir nun zusammenrücken. Das macht aber eigentlich nichts, da wir eh zu … 97,3 ÷ im Außendienst sind. Eng wird es nur dann, wenn wir um halb neun Teamsitzung haben (so wie heute) und um sieben so langsam alle eintrudeln. Ich „bewohne“ also derzeit gemeinsam mit (ungefähr) zehn Kollegen ein Büro, in dem vier Schreibtische stehen, von denen einer von Innendienstkollegin A. dauerhaft besetzt ist. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, und zur Not gibt es ja den Besprechungsraum und die Plätze erkrankter Kollegen, so das von der Leitung kommunizierte Prinzip.

Gestern war ich (halb privat) am frühen Abend im Büro. Auf dem Schreibtisch gegenüber A. stand ein Laptop. Ich zu A.: „Sitzt da gerade wer oder kann ich mich setzen?“ A.: „Da sitzt keiner. M. hat den Schreibtisch für morgen reserviert.“

Ich (innerlich): „RE-SER-VIERT?? SIND WIR HIER AM MALLORCINISCHEN STRAND??? SOLL ICH MORGEN EIN HANDTUCH MITBRINGEN????“

Ich (äußerlich): „Das wollen wir mal sehen.“

Am frühen Morgen des heutigen Tages (und oh, es war FRÜH) räumte ich also den Laptop der M. zur Seite und fing an zu arbeiten. Gegen sieben kam der befreundete Kollege D. (der eigentlich auch M. heißt, aber das würde jetzt verwirren) und stellte sich zu mir an den Schreibtisch (stellen weil Tisch hochfahrbar – geiler Scheiß) und fing ebenfalls an zu arbeiten (Platz ist da genug für zwei Laptops und zwei Körper). 

Eine halbe Stunde vor Beginn der Sitzung kam M. Zu dem Zeitpunkt war noch ein Schreibtisch frei. 

M.: „Äh. Ich wollte eigentlich noch was arbeiten.“ 

D. (mir in Sachen Schlagfertigkeit immer eine halbe Sekunde voraus): „Tu dir keinen Zwang an.“ 

M.: „Aber ich hatte da extra meinen Laptop hingestellt.“ 

D.: „Joa. Den hab ich weggestellt.“ (Dass er das nicht hätte sagen müssen, hab ich ihm natürlich später gesagt. Ich war ja die Böse. Er: „Der Blick von ihr hat mich aber gerade zu sehr angepisst.“)

M. grummelt und packt ihren Laptop und verschwindet.

Ein Kollege, der fünf Minuten später kam: „Was ist mit M. los? Die weint.“

Zufällig war im Reich der Tränen auch gerade die stellvertretende Leiterin anwesend, die in der Sitzung das bereits genannte „Schreibtischbesetzungsprinzip“ dann nochmal eklärt hat. Ganz langsam. Für alle. Zum Mitschreiben.